Ostersonntag 27. März 2016 6 Uhr
Ostermette nach der Agenda für St. Jacob von 1714

Stadt- und Marktkirche St. Jakobi zu Chemnitz
mit Musik aus dem alten Chemnitz und dem Erzgebirge

Liturgen: Pfarrerin Dorothee Lücke, Pfarrer Stephan Brenner
Orgel: Kantor Steffen Walther

Agenda St. Jacob

Birte Kulawik, Christine Matschke Sopran
Marlen Herzog - Alt        

Benjamin Glaubitz, Sören Richter, Friedemann Schmidt  Tenor
Georg Streuber Bariton
Johannes G. Schmidt Bass

Falko Munkwitz - Posaune
Ingolf Günther - Posaune
Peter Berger - Posaune

 

Die einzelnen Veranstaltungen finden Sie im Menü unter Konzerte.

In der Jakobikirche zu Chemnitz ist eine Agenda, ein Meßbuch, mit der Aufschrift "Der Kirche zu S. Jacob 1714" erhalten geblieben. Darin sind weit ältere liturgische Gesänge handschriftlich festgehalten, die vor Jahrhunderten in dieser Kirche erklungen sind. Das besondere daran ist, daß diese Gesänge nicht nur einstimmig, sondern auch mehrstimmig und als Wechselgesänge korrespondierend ausgeführt sind.

Ein Ensemble junger Gesangssolisten hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese liturgischen Gesänge zu den hohen christlichen Feiertagen wieder in die kirchenmusikalische Praxis einzufügen.

Die Sängerinnen und Sänger verbindet eine heimatliche Beziehung zur Stadt Chemnitz und eine große Liebe zur reichen kulturellen Tradition des erzgebirgischen Umfeldes. Sie haben sich und ihrem Anliegen deshalb einen Namen gegeben: Agenda St. Jacob. Im liturgischen Rahmen, also im Gottesdienst, ist das solistische Vokalensemble mit anlassgemäss wechselnder Besetzung neben dem Liturgen, den Instrumentalisten und der Gemeinde in seiner liturgischen Funktion als Chorus musicus zu hören und entsprechend bezeichnet.

Mit der gesungenen Osterbotschaft, den Antiphonen und Responsorien, verbunden mit Motetten sächsisch- erzgebirgischer Meister, im Besonderen mit der Pflege des musikalischen Erbes des in Chemnitz geborenen Tonsetzers Philipp Deulich, genannt Dulichius und den Hymnen des Chemnitzer Lateinschuldirektors Balthasar Crusius sind die klingenden Kunstschätze unserer Region in ihrer Schönheit und erbauenden Wirkung wieder zu erleben.

 

Unterstützen Sie das Projekt Agenda St. Jacob

Die Aufführungen in der Jakobikirche werden von der Kirchgemeinde mit Hilfe von Spendern und Förderern ermöglicht.
Wir bitten Sie, mit Ihrer Kollekte beim Besuch und durch eine Spende die Bemühungen um eine anspruchsvolle Wiederbelebung einer musikalischen Tradition in Chemnitz zu unterstützen.
Die Spenden werden bescheinigt und steuerlich begünstigt vom Finanzamt anerkannt.  

Förderverein St. Jakobi

IBAN: DE56 87096214 0399001714 • BIC: GENODEF1CH1

Volksbank Chemnitz
Verwendungszweck: Agenda 1714

Für die Ausstellung der Spendenbescheinigung benötigen wir folgende vollständige Angaben:
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Name und Vorname bei Privatspenden
vollständige Anschrift (Straße, Hausnummer, PLZ, Ort, Tel.)

Sie können auch direkt Kontakt aufnehmen, um mit uns andere Formen der Förderung zu vereinbaren.

 

Die Agenda für St. Jacob von 1714

Die Chemnitzer Agenda ist ein Meßbuch, das im Kirchenarchiv der Stadt- und Marktkirche St. Jakobi zu Chemnitz gefunden wurde. Es weist für den Kantor und seine Kantorei bestimmte liturgische Gesänge aus. Diese reichen vom gesungenen Evangelium (im solistischen Rezitationston) über vierstimmige Wechselgesänge - responsorisch (Solo und Chor) oder antiphonisch gesungen (Gruppe zu Gruppe) - bis hin zur sechstimmigen großen Präfation, dem festlichen, den Feiertagen vorbehaltenen Hoch- und Lobgebet.

Martin Luther wollte die seinerzeit überkommene (d.h. katholische) Gottesdienstordnung keineswegs abschaffen. Er wollte sie eher "in rechten Schwang bringen", indem er die Gemeinde in den Volllzug der Liturgie einschloß. Ein gesangloser Gottesdienst wäre mithin unmöglich gewesen!

Die lutherische Reformation stellte zwei Meßordnungen nebeneinander:

1. An Orten, wo sich Lateinschulen befanden, wurden die lateinischen Texte für Chor und Liturg beibehalten, das Graduale aber - d.h. ältere (Wechsel-) Gesänge - durch das deutsche Gemeindelied ersetzt.

2. In den Orten ohne Lateinschulen übernehmen der Kantor und die Gemeinde fast alle liturgischen Stücke in der Form deutscher Gemeindelieder. Das erste deutsche Gesangbuch auf Luthers Anregung 1524 stammt von Johann Walter. Die sogenannten Cantionalien z.B. von Johann Spangenberg 1545 oder Johann Hermann Schein ca.1620 prägen in sprachlicher und musikalischer Form die neue lutherische Liturgie.

Die Chemnitzer Agenda von 1714 schreibt diese Bestrebung auf der Grundlage hier möglicher, aber nicht mehr vorhandener Vorgänger fort. Es wird Kantor Christian Gerstner, von 1711-1722 an St. Jakobi, gewesen sein, der diese Musikalie im Sinne liturgischer Bewahrung oder Erneuerung angelegt hat. Nachfolger haben ergänzend oder korrigierend daran weitergearbeitet.


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